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Johann Hermann SCHEIN, Ich will schweigen Ich will schweigen



Auf hoher See, in hohem Gebirge.
Diese dem Französischen und Italienischen gemeinsame Redensart bezieht sich nicht nur auf die Entfernung, sondern auch auf das damit verbundene Risiko.
Der Zink war das richtungsweisende Instrument des 16. und 17. Jahrhunderts. Aus Holz gebaut und mit Leder überzogen wurde er als das ideale Instrument für die Imitation der menschlichen Stimme betrachtet. Und wie bei der Stimme trachtete man auch beim Zink im Verlauf seiner Geschichte nach den hohen Lagen.
Die Enzyklopädie von Mersenne beschreibt den Zink als einen »Sonnenstrahl, der die Wolken durchdringt«. InAlto erforscht sowohl Instrumental- wie Vokalmusik und will deren himmlische Klänge dialogisieren lassen. Die berühmtesten Komponisten des europäischen Barock, wie Monteverdi, Schütz und Praetorius, hinterließen uns Werke, die diese Lust des Risikos, diese Verherrlichung der Höhe kultivieren. InAlto widmet sich der Wiederaufführung dieses vergessenen Repertoires sowohl weit zurückschauend als auch weit vorausschauend.
Das hauptsächliche Wagnis heute besteht darin, mit einer Musik überzeugen zu wollen, die nicht mehr zu uns zu gehören scheint. Indem das Ensemble so nahe wie möglich an den Quellen und mit Musikern arbeitet, die eine historisch informierte Interpretation meistern, will InAlto das Beste aus ausgewählten Werken ziehen.
Ein diskographisches Projekt ist heute ebenfalls ein Wagnis für ein Ensemble. Die vorrangige Schwierigkeit besteht in der Wahl des Repertoires. Es schien uns immer naheliegend, unbekannte Werke vorzustellen, vor allem auf einer CD. Trotzdem zählt in erster Linie die künstlerische Qualität der Werke.
Um diesen »emotionalen Nektar« herauszufiltern, haben wir uns entschlossen, diese CD in Schleswig in der Kapelle des Schlosses Gottorf aufzunehmen. Da keine Renaissance-Orgeln mehr in Sachsen und Thüringen existieren, haben wir im Norden suchen müssen. Das ausschlaggebende Merkmal zur Wahl dieser Orgel war, abgesehen von ihrer Entstehungszeit (1567/1625), die Tatsache, dass es sich um ein wahrhaftes Hof-Instrument handelt. Ihr Platz in der Schlosskapelle ermöglichte nicht nur die Ausgestaltung der Gottesdienste, sondern auch die Begleitung der Tänzer bei Festlichkeiten im angrenzenden Ballsaal. Es genügte, dass der Organist die große Tür öffnete, die die beiden Räume voneinander trennt. Auf diese Weise haben wir sowohl geistliche als auch instrumentale Musik interpretieren können, wie es dem Aufgabenbereich Scheins und seiner Nachfolger entsprach.
Die meisten historischen Orgeln in Deutschland, die wir das Glück hatten zu hören, befinden sich in viel weniger halligen Räumlichkeiten als ihre italienischen Pendants. Diese kompaktere und detailliertere Klanglichkeit war möglicherweise in den letzten Jahren ein Hinderungsgrund für Musiker, die eine Ensemble-CD aufnehmen wollten. Wir denken jedoch ganz im Gegenteil, dass diese charakteristische Akustik in direkter Verbindung mit der protestantischen Liturgie und der Bedeutung des Wortes als zentrales Element der Predigt steht.
Wenn man dieses Repertoire anschaut, ist es nicht schwierig, sich die außergewöhnliche Qualität der Musiker vorzustellen, für die diese Musik geschrieben wurde. Diese Künstlerschaft und das Erbe der Tradition der Stadtpfeiffer waren uns die höchsten Quellen der Inspiration: die technische Meisterschaft zu suchen, jedoch ohne sie zur Schau zu stellen. Es scheint uns jedenfalls, dass sich dieses Repertoire in der Demut entfaltet. Wenn wir »unsere« Aufnahme hören, die in der gemeinsamen Arbeit einer Gruppe entstanden ist, haben wir das Gefühl, dass uns diese Musik nicht nur ein immenses Vergnügen bereitet hat, sondern uns vor allem eine gewisse Form von Geduld gelehrt hat. Feinsinnig und anspruchsvoll, ist diese Musik mit Interesse zu genießen.

Alice Foccroulle, Sopran
Béatrice Mayo-Felip, Sopran
Reinoud Van Mechelen, Tenor
Lambert Colson, Leitung, Cornetto
Adrien Mabire, Cornetto
Guy Hanssen, Posaune
Bart Vroomen, Posaune
Anaïs Ramage, Dulzian
Pieter Theuns, Theorbe, Gitarre, Erzlaute
Maxime Fiorani, Tamburello
Marc Meisel, Orgel


1. Johann Hermann Schein (1586-1630) Canzon "Corollarium"
2. Johann Hermann Schein Ich will schweigen
3. Johann Krieger Fantasia in d
4. Johann Hermann Schein Exaudiat te Dominus
5. Johann Hermann Schein Suite VII
6. Heinrich Bach (1615-1692) Erbarm dich mein, o Herre Gott
7. Johann Hermann Schein Erbarm dich mein, o Herre Gott
8. Gottfried Reiche (1667-1734) Fuga XII à 4
9. Johann Hermann Schein Herr Christ, der einig Gottes Sohn
10. Johann Schelle (1648-1701) Nun komm, der Heiden Heiland
11. Gottfried Reiche Sonatina à 4
12. Johann Hermann Schein Mach dich auf, werde Licht
13. Johann Hermann Schein Paduana à 4
14. Heinrich Scheidemann (1595-1663) In dich hab ich gehoffet, Herr
15. Johann Sebastian Bach (1685-1750) Fuga sopra Durch Adams Fall ist ganz verdebt (BWV 705)