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Johann MATTHESON, Suites Johann Mattheson, Suites

Johann Mattheson (Hamburg 28. September 1681 — 17. April 1764) war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, von der die Musikgeschichte vor allem das theoretische Werk im Gedächtnis behalten hat, welches heute von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der Musik der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist. Als unermüdlicher Analytiker und großartiger Enzyklopädist der Formen und Genres wie als Rezensent der einflussreichsten Komponisten seiner Zeit scheute er sich nicht davor, klar Stellung zu den in seinen Augen entscheidenden Fragen des musikalischen Fortschritts zu beziehen, dessen glühender Verfechter er war. Johann Mattheson brillierte als vielseitiger Musiker auf allen Wegen, die er beschritt, und brachte es in jeglicher seiner Beschäftigungen zu Höchstem: im Theater, in der Kirche, in der Diplomatie und in der Musikliteratur. Er war dennoch vor allem ein Musiker, dessen Ruf als Gelehrter heute Gefahr läuft, sein unleugbares musikalisches und schöpferisches Talent zu verschleiern, von dem sein umfangreiches und vielgestaltiges Werk Zeugnis gibt.
Die Pièces de Clavecin en Deux Volumes, 1714 in London veröffentlicht, stammen aus einer Übergangsperiode im Leben Matthesons. Im Jahre 1704 war er Hauslehrer des Sohnes des englischen Entsandten in der Freien Hansestadt, Sir John Wich, geworden und hatte damit den sozialen Status erreicht, den er anstrebte — mit den dazugehörigen Einkünften. Matthesons instrumentales Schaffen fällt mit der Unterrichtung von Cyril Wich zusammen, dem gran virtuoso, dem er offenbar schon 1705 einen ersten Band von Sonaten für zwei Cembali gewidmet hatte. Der Unterricht weckte in Mattheson zweifellos das Verlangen, seine eigene Technik zu konkretisieren und zugleich zur Weiterentwicklung des Repertoires speziell für Cembalo beizutragen — das Instrument, welches ihm mehr als jedes andere dazu geeignet schien, den musikalischen Fortschritt zu befördern und zu verbreiten, und für welches er eine ganz besonders idiomatische Schreibweise beanspruchte. Johann Mattheson zeigt in seinen Pièces de Clavecin sowohl eine perfekte Beherrschung der Konventionen beim Umgang mit dem Genre Suite, wie auch eine unleugbare Vertrautheit mit den vorherrschenden französischen wie italienischen Ästhetiken seiner Epoche, ohne die deutsche Vorliebe für den Kontrapunkt zu vernachlässigen. Er war somit ein Protagonist des Vermischten Geschmacks — ein Stil, der seinen Höhepunkt in den Französischen und Italienischen Suiten (1720-24) Johann Sebastian Bachs fand. Das Werk des Hamburger Komponisten steht jedoch gleichzeitig an der Schwelle einer neuen Ära, die von François Couperin (in seinem Premier Livre, 1713) und Jean-Philippe Rameau (Deuxième und Troisième Livre, 1724, 1728) begründet wurde und welche alle Komponisten dieses Genres bis zum Ende des Ancien Regime entscheidend beeinflussen sollte. Diese Aufnahme hofft dazu beizutragen, den Musiker Johann Mattheson als talentierten Komponisten und Beförderer des musikalischen Fortschritts bekannt machen zu können.



Cristiano Holtz  CRISTIANO HOLTZ wurde 1972 in Brasilien geboren. Er erhielt seinen ersten musikalischen Unterricht im Alter von sieben Jahren bei seiner Großmutter. Beeindruckt von der Musik Johann Sebastian Bachs begann er mit zwölf Jahren, Cembalo zu spielen. 1987 setzte er seine musikalische Ausbildung in den Niederlanden fort, wo er während zehn Jahren bei verschiedenen Lehrern studierte, u. a. bei Jacques Ogg und Gustav Leonhardt. Er besuchte Meisterkurse bei Miklós Spányi (Clavichord) und Pierre Hantaï (Cembalo). Seit 1989 hat er, meist als Solist, in Europa, Lateinamerika und Asien konzertiert und ist auf vielen internationalen Festivals aufgetreten, z.B. in Vilafamés (Spanien), Mafra (Portugal), Campos de Jordão and Juiz de Fora (Brasilien). Neben seinen Auftritten mit Cembalo und Clavichord gibt er auch Konzerte auf historischen Orgeln. 1995 war er Preisträger beim Eldorado-Wettbewerb in Sao Paulo. Cristiano Holtz spielt regelmäßig Aufnahmen für brasilianische und portugiesische Radio- und Fernsehsender ein. Im Jahre 2002 nahm er eine CD mit Werken von Vivaldi, Händel und Bach für die Europäische Kulturhauptstadt Porto in Kollaboration mit der Tageszeitung Público auf. Er lebt gegenwärtig in Lissabon, wo er am Gregorianischen Institut und am Nationalen Konservatorium unterrichtet. Er ist weiterhin verantwortlich für die Pflege einiger der historischen Tasteninstrumente und für die Organisation von Recitals am Portugiesischen Musikmuseum.


Suite Premiere (D minor) 1. Prelude
  2. Allemande
  3. Double
  4. Courante
  5. Double
  6. Sarabande
  7. Gique
     
Suite Douzieme (Auszug, F minor) 8. Allemande
  9. Courante
  10. Sarabande
  11. Gique
     
Suite Onzieme (Auszug, C major) 12. Sarabande
     
Suite Sinquieme (Auszug, C minor) 13. Air
  14. Double
  15. Second Double
     
Suite Quattrieme (Auszug, G minor) 16. Allemande
  17. Courante
  18. Courante à la Francoise
  19. Sarabande
  20. Gique
     
Suite Sixieme (E flat major) 21. Prelude
  22. Allemande
  23. Courante
  24. Air
  25. Double
  26. Gique
  27. Menuet
     
Suite Neufvieme (G minor) 28. Boutade
  29. Allemande
  30. Courante Imiere
  31. Courante 2me
  32. Air
  33. Loure
34. Gique