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Antonio CALDARA, Cantate, Sonate ed Arie Antonio Caldara, Cantate, Sonate ed Arie

Der begnadete Geiger und Tanzmeister Pantaleon Hebenstreit (1667-1750) hatte sich zum Zeitvertreib auf das Hackbrett gelegt, um zu sehen, ob er darauf herausbringen könnte, was er sonst auf dem Clavier vermochte. Er erweiterte den Tonumfang des bäuerlichen Hackbretts stark und machte aus dem diatonischen ein chromatisches Instrument. Er brachte es auf seinem vervollkommneten Hackbrett zu solcher Kunstfertigkeit, dass er in einer atemberaubenden Karriere zu einem der gefragtesten Virtuosen seiner Zeit avancierte. 1705 konzertierte er in Versailles vor Ludwig XIV., der das Instrument nach seinem Erfinder getauft haben soll, trat 1708 vor dem Kaiser in Wien auf und wurde schließlich 1714 als Pantaleonist zum Mitglied der Dresdener Hofkapelle berufen, dem damals berühmtesten Orchester Europas. Hebenstreit hatte auch mehrere Schüler, die zu großem Ruhm gelangten, unter ihnen Maximilian Hellmann, für den Caldara in Wien komponierte.
Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Popularität des Pantaleons dem späteren Siegeszug des Hammerklaviers den Boden bereitet hat: Um 1730 experimentierten mehrere mitteldeutsche Clavierbauer mit einer oberschlägigen Hammermechanik. Verschiedene Saitenbezüge sowie die Wahl zwischen Schlägeln, welche mit unterschiedlichen Materialien überzogen sein konnten, verliehen dem Pantaleon einen überwältigenden Klangfarbenreichtum und große dynamische Differenzierungsfähigkeit. Der große Tonumfang und die Möglichkeit, durch zweistimmigen Anschlag und Arpeggieren Harmonie darzustellen, sowie Klangfülle und Farbigkeit hoben das Pantaleon in den Rang eines »aus einem elenden Hackebret zum vollständigsten und noch vollkommner als das Clavecin gewordene[n] Instrument[s]« (Stählin 1770), »in deme es das warhafte Forte Piano ist, da die heutigen Fortepiano keinen Schatten davon seind.« (Kachel 1792) Als Gründe für das Verschwinden des Instruments in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden ungelöste Konstruktionsprobleme, die sperrige Größe des Instruments, die Schwierigkeit des Stimmens und die hohen Instandhaltungskosten der vielen Saiten, vor allem der Darmseiten, aber auch die enormen Schwierigkeiten seiner Beherrschung genannt. Bei unserem Versuch, dem legendären Instrument auf die Spur zu kommen, steht uns leider kein Pantaleon zur Verfügung: Der gegenwärtige Stand der Forschung bietet zu wenige Anhaltspunkte für eine Rekonstruktion. Kein einziges Original ist erhalten geblieben, es gibt keinerlei Baupläne oder technisch konkretere Beschreibungen und genauso wenig zweifelsfreie Abbildungen des Instruments. Das moderne chromatische Salzburger Tenorhackbrett scheint uns daher für den Augenblick die beste Möglichkeit zu bieten, dem Klang des Pantaleons zumindest auf seiner mit Metallsaiten bezogenen Seite nahe zu kommen.

Jürgen Banholzer und Margit Übellacker



Jürgen Banholzer   JÜRGEN BANHOLZER studierte als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes an der Musikhochschule Stuttgart (Kirchenmusik), am Conservatoire National Supérieur de Musique in Lyon (Orgel), an der Schola Cantorum in Basel (Gesang), sowie an der Universität Mainz (Musikwissenschaft). Wichtige sängerische Impulse kamen von Michiko Takanashi, Richard Wistreich, Michael Chance und Ashley Stafford. Jürgen Banholzer arbeitete mit namhaften Ensembles für Alte Musik zusammen (Freiburger Barockorchester, Balthasar-Neumann-Chor, La Fenice, Clemencic Consort, Il Seminario Musicale, Musica Fiata, L'Arpeggiata und anderen) und war bei Festspielen in vielen europäischen Ländern zu hören, dabei entstanden verschiedene Aufnahmen für Rundfunk und CD.

Margit Übellacker   MARGIT ÜBELLACKER studierte am Linzer Bruckner-Konservatorium bei Karl-Heinz Schickhaus, am Richard-Strauss-Konservatorium in München bei Birgit Stolzenburg-De Biaso Hackbrett, sowie bei Crawford Young an der Schola Cantorum Basiliensis. Als Interpretin alter und zeitgenössischer Musik trat sie in Österreich, Deutschland, Frankreich, England, Tschechien, Russland und in der Schweiz auf. Sie spielte in vielen Konzerten, Rundfunk- und CD-Aufnahmen unter anderem mit dem L'Orfeo Barockorchester, dem Concilium Musicum Wien, dem Esterhazy Barockensemble, L'Arpeggiata, Musica Fiorita, dem Orchestre de Radio France, A Musical Banquet Freiburg, mit Crawford Young sowie ihrem eigenen Ensemble Dulce Melos.

Emilia Gliozzi   EMILIA GLIOZZI studierte Violoncello am Conservatorio Giuseppe Verdi in Turin und am Conservatoire von Boulogne-Billancourt. Nach Unterricht auf dem Barockcello bei Anner Bijlsma und David Simpson erlangte sie in der Klasse von Christophe Coin das Diplôme de Formation Supérieure am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris. Seit vielen Jahren arbeitet sie regelmäßig mit einigen der bedeutendsten Ensembles für Alte Musik zusammen, darunter La Fenice, Les Talens Lyriques, Le Concert Spirituel, La Grande Écurie et la Chambre du Roy, Le Parlement de Musique, Concerto Soave, L'Arpeggiata und das Balthasar-Neumann-Ensemble. Sie war bei vielen Festivals in Europa, Asien und Nordamerika zu Gast und hat bei zahlreichen Aufnahmen mitgewirkt.

 

LA GIOIA ARMONICA
Jürgen Banholzer, Altus und Leitung
Margit Übellacker, Hackbrett
Emilia Gliozzi, Violoncello
Michael Freimuth, Theorbe
Reinhild Waldek, Harf
Armin Bereuter, Violone
Arno Schneider, Orgel


From the Oratorio Sedecia 1. Aria Ahi! come quella un tempo Città di popl piena
       
Cantata Vicino a un rivoletto 2. Recitativo Vicino a un rivoletto
  3. Aria Zeffiretto amorosetto (Andante-Allegro)
4. Recitativo Ma, o Ciel
  5. Aria Aime sento il mio core
       
Sinfonia for Violoncello Solo 6. Adagio  
  7. Allegro  
8. Grave  
  9. Presto  
       
Cantata Soffri mio caro Alcino 10. Recitativo Soffri mio caro Alcino
  11. Aria Dolce è pur d'amor l'affanno (Larghetto)
  12. Recitativo Se mai ti nasce in mente
  13. Aria Non potrai dir mai, nò (Allegro)
       
Sonata for Violoncello Solo 14. Allegro  
  15. Allegro  
  16. Allegro  
       
Cantata Astri di quel bel viso 17. Recitativo Astri di quel bel viso
  18. Aria Almen non negate
  19. Recitativo Occhi neri
  20. Aria Non mi amate (Allegro)
       
From the Oratorio Gioseffo che interpreta i sogni 21. Aria Libertà cara e gradita (Andante)