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Johann Sebastian BACH, a Flauto traverso Johann Sebastian Bach, a Flauto traverso

»Man hat ausser vielen Arten der Claviere, welche theils wegen ihrer Mängel unbekant geblieben, theils noch nicht überall eingeführt sind, hauptsächlich zwey Arten, nemlich die Flügel [Cembali] und Clavicorde, welche bis hieher den meisten Beyfall erhalten haben. [...] Die neuern Forte piano, wenn sie dauerhaft und gut gearbeitet sind, haben viele Vorzüge [...]. Sie thun gut beym allein spielen und bey einer nicht gar zu starck gesetzten Music, ich glaube aber doch, daß ein gutes Clavicord, ausgenommen daß es einen schwächern Ton hat, alle Schönheiten mit jenem gemein und überdem noch die Bebung und das Tragen der Töne voraus hat, weil ich nach dem Anschlage noch jeder Note einen Druck geben kan.« (Carl Philipp Emanuel Bach, Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen, 1753).
Johann Nikolaus Forkel berichtet, dass das Clavichord auch das Lieblingstasteninstrument Johann Sebastian Bachs gewesen sei (Über Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke, 1802). Es ist wohl zu vermuten, dass gerade Bach zu dem Siegeszug des Instrumentes sehr viel beigetragen hat. Seine Clavier-Kompositionen wie die Inventionen und Sinfonien sowie Das Wohltemperierte Clavier sind hauptsächlich für das Clavichord konzipiert, und zwar als Studienmaterial zum Erlernen der von ihm erfundenen neuen Technik, welche später, bis etwa 1860, so vielfältig als Bach-Anschlag dokumentiert worden ist. Ohne die Bach-Technik wäre die unglaubliche Entwicklung des Clavichords und der Musik, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dafür komponiert worden ist, nicht denkbar. Insbesondere die ab der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehr und mehr verbreiteten großen, bundfreien Clavichorde waren — und sind — als Begleitinstrument sehr vielseitig einsetzbar. Die Kombination Traversflöte und Clavichord ist in verhältnismäßig kleinen Räumen ideal, da das Clavichord den zarten Klang der Flöte nie übertönt und dessen raffinierten Schattierungen äußerst biegsam folgen kann. Das Clavichord auf unserer Aufnahme ist im Stil der großen, von Gottfried Silbermann begründeten sächsischen Tradition konzipiert worden.
Johann Sebastian Bach wird immer noch relativ selten mit dem Hammerflügel in Verbindung gebracht. Häufig wird angenommen, dass die Entwicklung des Instruments ihren wirklichen Anfang erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts genommen hätte. Doch die Geschichte des Hammerklaviers ist weit in die Bachzeit zurückzuführen. Neuere Forschungen lassen vermuten, dass die Frühgeschichte des Hammerklaviers sogar noch weiter in die Vergangenheit, lange vor Bartolomeo Cristoforis bekannter »Erfindung« der Hammermechanik, also möglicherweise bis ins 17. oder 16. Jahrhundert zurückgeht. Die Verwendung eines Hammerklaviers für die Aufführung Bachscher Kammermusikwerke mit obligatem Tasteninstrument kann also sowohl mit historischen als unserer Meinung nach auch mit musikalischen Argumenten unterstützt werden. Schon damals empfand man die Begleitung von leiseren Instrumenten wie der Traversflöte durch das Cembalo als problematisch. Silbermann versuchte, dieser Problematik erst mit seinem Cembal d'amour (ein clavichordartiges Tasteninstrument mit doppelter Saitenlänge) und später mit seinen Hammerflügeln entgegenzukommen. Die Flötensonaten Johann Sebastian Bachs werden von einem Silbermannschen Hammerklavier sowohl in Klangstärke als auch in Klangfarbe sehr überzeugend bedient, der Klang des Hammerflügels und der einer Traversflöte mischen sich nahezu ideal.

Miklós Spányi


Es ist schwierig, einen bestimmten Traversflötentyp als den idealen für die Aufführung der Bachschen Flötensonaten zu benennen — zu groß ist die Unterschiedlichkeit der einzelnen Sonaten. Die auf dieser Aufnahme präsentierten vier mit Sicherheit von Bach stammenden Sonaten entspringen keinem zusammenhängenden Zyklus und sind weder in chronologischer noch in stilistischer Hinsicht direkt miteinander verwandt. Die Wahl des Instruments hängt darüber hinaus nicht nur von musikhistorischen Erwägungen ab, sondern vor allem auch von den allgemeinen Umständen der Aufführung: von der Raumakustik und von der Persönlichkeit und der momentanen Befindlichkeit des Ausführenden.
In der Tonart E-Dur klingt die Traversflöte besonders weich und zart, und das Clavichord als das Lieblingsinstrument der Komponisten dieser Epoche empfahl sich für die beiden Continuo-Sonaten in der intimen Atmosphäre des nicht sehr großen, relativ trocken aber hervorragend klingenden Saales des Schlosses von Flawinne als das ideale Begleitinstrument. Die beiden Sonaten für Flöte und obligates Tasteninstrument werfen andere Fragen auf. Sie sind vermutlich Bearbeitungen oder Transkriptionen von Werken, die in ihrer Urfassung nicht für die Flöte bestimmt waren. Der weiche und obertonreiche Klang des Hammerklaviers umhüllt geradezu den Flötenklang, die Instrumente mischen sich wunderbar.

Benedek Csalog



Benedek Csalog  BENEDEK CSALOG wurde in Budapest geboren. Er studierte an der Budapester Franz-Liszt-Hochschule Flöte bei Tihamér Elek und am Konservatorium in Den Haag Traversflöte bei Barthold Kuijken. Benedek Csalog konzertiert in den meisten Ländern Europas, in den USA, Brasilien, Japan und im Nahen Osten. Als Solist war er auf allen wichtigen europäischen Festivals für Alte Musik vertreten. Er war erster Preisträger des Baroque Flute Artist Competition in Orlando 1995 und des Wettbewerbs Musica Antiqua in Brügge 1996, und hat als Solist zahlreiche CDs für Hungaroton Classic und verschiedene deutsche Labels eingespielt. Benedek Csalog unterrichtet als Dozent für Traversflöte an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und gibt regelmäßig Meisterkurse in Europa und Japan. Er ist Gastprofessor des Budapester Franz-Doppler-Instituts und künstlerischer Leiter der Tokajer Sommeruniversität für Alte Musik.

Miklós Spányi   MIKLÓS SPÁNYI wurde in Budapest geboren. Er studierte zunächst an der Franz-Liszt-Hochschule in Budapest Orgel und Cembalo bei Ferenc Gergely und János Sebestyén und setzte seine Studien am Konservatorium in Antwerpen bei Jos van Immerseel sowie an der Hochschule für Musik in München bei Hedwig Bilgram fort. Miklós Spányi konzertiert in den meisten Ländern Europas, sowohl als Solist auf der Orgel, dem Cembalo, dem Clavichord, dem Tangentenflügel und dem Fortepiano, wie auch als Continuospieler oder Dirigent verschiedener Orchester und Ensembles. Er hat den ersten Preis der internationalen Cembalowettbewerbe in Nantes (1984) und Paris (1987) gewonnen. Schon seit mehreren Jahren ist die Tätigkeit Miklós Spányis als Interpret und Forscher auf das Schaffen von Carl Philipp Emanuel Bach konzentriert. Er hat zahlreiche Werke des Komponisten bei Könemann Music herausgegeben und ist Mitarbeiter der Neuen Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Gesamtausgabe. Mit seiner Arbeit trägt er auch intensiv dazu bei, dem Lieblingsinstrument C. P. E. Bachs, dem Clavichord, wieder zu Wertschätzung zu verhelfen. Miklós Spányi hat zahlreiche CDs eingespielt, vor allem für die Labels BIS (Gesamtaufnahme der Clavierwerke C. P. E. Bachs) und Hungaroton Classic (Tangent Piano Collection). Miklós Spányi unterrichtet am Ouluer Konservatorium und an der Sibelius-Akademie in Finnland.


Sonata in E major 1. Adagio ma non tanto Sonata in A major 9. Vivace
BWV 1035 2. Allegro BWV 1032 10. Largo e dolce
  3. Siciliana 11. Allegro
4. Allegro assai      
      Sonata in B minor 12. Andante
Sonata in E minor 5. Adagio ma non tanto BWV 1030 13. Largo e dolce
BWV 1034 6. Allegro 14. Presto
7. Andante 15. [without indication]
  8. Allegro